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Aktivistin und Sexsymbol: Jane Fonda wird 80

Von Barbara Munker, dpa 21. Dezember 2017 07:35

Los Angeles (dpa) Das Alter sieht und merkt man der Oscar-Preisträgerin nicht an: Auch mit 80 Jahren dreht Jane Fonda Filme und Serien und ist politisch wie eh und je.

Jane Fonda hat nicht bis zu ihrem 80. Geburtstag an diesem Donnerstag (21.12.) warten wollen. Mit einer Spenden-Gala unter dem Motto «Acht Jahrzehnte von Jane» feierte der Hollywood-Star am 9. Dezember in Atlanta (US-Staat Georgia) schon kräftig vor.

Mit prominenten Freunden wie Rosanna Arquette, Carole King und Ex-Mann Ted Turner, wie Fondas Management der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Dabei sammelte Fonda für ihre Hilfsorganisation GCAPP - zur Verhütung von Teenagerschwangerschaften - 1,3 Millionen Dollar. Per Live-Auktion versteigerte der Star Dinner-Partys oder einen Set-Besuch bei ihrer Netflix-Serie «Grace and Frankie». Sie habe «nie geglaubt, so lange zu leben», offenbarte Fonda den Gästen.

Nach den Vor- und Nachteilen von 80 Lebensjahren gefragt, erzählte Fonda der US-Zeitschrift «People»: «Ich kann nicht mehr so viele Gewichte stemmen wie früher», doch dafür werde man nicht mehr von Leuten angegrapscht, frotzelte der Star, wohl mit Blick auf die jüngsten Enthüllungen sexueller Übergriffe im Showbusiness.

Sie selbst erhob kürzlich schwere Vorwürfe gegen Männer in ihrem Leben. Im März, wenige Tage bevor die Schauspielerin, Aktivistin und Unternehmerin in Hamburg die Goldene Kamera für ihr Lebenswerk in Empfang nahm, sprach sie über traumatische Erlebnisse ihrer Vergangenheit: «Ich wurde vergewaltigt, als Kind sexuell missbraucht, gefeuert, weil ich nicht mit meinem Chef schlafen wollte und dachte immer, dass es meine Schuld sei, ich nicht das Richtige gesagt oder getan habe», sagte Fonda in einem Interview, das Oscar-Gewinnerin Brie Larson («Room») mit ihr für das Magazin «The Edit» führte. Sie sei mit der Krankheit aufgewachsen, es allen recht machen zu wollen, habe sich dann aber einer Frauenrechtsbewegung angeschlossen.

Fonda, die sich neben der Schauspielerei seit den 60er Jahren für Frieden und Feminismus einsetzt, gab sich in Deutschland bei der Goldenen-Kamera-Gala kämpferisch. «Wir bleiben stark», sagte die erklärte Gegnerin von Donald Trump zur erschwerten Arbeit von Medien unter dem US-Präsidenten. Fonda ist ganz die liberale Aktivistin geblieben.

Einige Amerikaner haben der «Hanoi-Jane» nicht verziehen, dass sie 1972 aus Protest gegen den Vietnam-Krieg die nordvietnamesische Hauptstadt besuchte und sich auf einem Flugabwehrgeschütz des Vietcong sitzend fotografieren ließ. An der Seite ihres zweiten Ehemannes, des liberalen Politikers Tom Hayden, setzte sie sich lautstark für Bürgerrechte ein. Später ging sie gegen den Irakkrieg auf die Straße, im Januar war sie beim «Marsch der Frauen» gegen Trump in Los Angeles dabei.

Ihr Engagement mag auch ein Grund für die Trennung von ihrem langjährigen Lebenspartner, dem Musikproduzenten Richard Perry (75), gewesen sein. Nach acht Jahren waren sie im vorigen Januar auseinandergegangen, freundschaftlich, wie Perry bei «People.com» betonte. «Jane hat sich wieder dem Aktivismus zugewandt und ich beende gerade meine Memoiren.»

Der «Barbarella»-Star der 60er Jahre, der später im Stretch-Outfit mit Aerobic-Videos eine riesige Fitnesswelle auslöste, ist auch im Alter kaum zu bremsen, trotz künstlichem Kniegelenk und neuer Hüfte. Das Alter ist ihr nicht anzusehen. Zumindest nicht, wenn Fonda geschminkt und mit perfekt sitzender Strähnchenfrisur in die Fernsehkameras lächelt. Die Schauspielerin hat nachgeholfen, das ist kein Geheimnis. Doch inzwischen ist sie weniger eitel. In der November-Ausgabe von «Town & Country» zeigte sie sich kürzlich mit unretuschierten Fotos ganz natürlich auf dem Magazin-Cover.

Als Schauspielerin steht Fonda wieder regelmäßig vor der Kamera, seit 2015 mit Lily Tomlin für die Netflix-Comedy-Serie «Grace und Frankie». Darin spielen sie langjährige Ehefrauen, deren Männer sich unerwartet als schwul outen.

Jane Fonda war zwölf Jahre alt, als ihre Mutter sich das Leben nahm. Sie wuchs bei der Großmutter im US-Staat Connecticut auf. Die Schauspielerei lag ihr im Blut, als Tochter des Bühnen- und Filmstars Henry Fonda und Schwester von Peter Fonda. An der berühmten New Yorker Schauspielschule Actors Studio lernte sie ihr Handwerk.

1960 wurde sie von den New Yorker Theaterkritikern als «beste Nachwuchsschauspielerin» gefeiert und stand in «Je länger - Je lieber» zum ersten Mal vor der Filmkamera. Sie folgte dem französischen Regisseur Roger Vadim, der zuvor Brigitte Bardot entdeckt hatte, nach Paris. Er gab ihr gleich vier Rollen, machte sie durch den erotischen Science-Fiction-Streifen «Barbarella» weltberühmt und zum Sexsymbol - und außerdem zu seiner Ehefrau.

Zurück in Hollywood holte sich Fonda als Marathontänzerin in dem Drama «Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss» ihre erste Oscar-Nominierung. Den begehrten Preis gewann sie zweimal: 1971 für ihre Prostituiertenrolle in «Klute» und 1978 für das Vietnamkrieg-Drama «Coming Home». Es folgten Filme wie «Das China-Syndrom» und das Familiendrama «Am Goldenen See» - der erste und einzige Film, in dem Fonda an der Seite ihres bereits todkranken Vaters auftrat.

Beim Filmfest in Venedig stand Fonda im vorigen September mit Robert Redford (81) im Rampenlicht. Beide erhielten den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk, gleichzeitig stellten sie ihren neuen Liebesfilm «Unsere Seelen bei Nacht» vor, ihr vierter gemeinsamer Film nach «Ein Mann wird gejagt», «Barfuß im Park» und «Der elektrische Reiter». Sie spielen verwitwete Nachbarn, die sich ineinander verlieben.

Auch 2018 dreht Fonda auf. Dann soll die Frauen-Komödie «The Book Club» mit den Co-Stars Diane Keaton, Mary Steenburgen und Candice Bergen in die Kinos kommen. Die Story dreht sich um Freundinnen, die in ihrem Buchclub «50 Shades of Grey» lesen. Die Lektüre der Sadomaso-Romanze krempelt das Leben der ergrauten Frauen um.

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