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Mura Masas Album: Jugend, Romantik und Chaos

Steffen Rüth 09. August 2017 17:02

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    Alex Crossan sieht aus wie 14, ist aber 21 und hat einen eigenen Kopf wie ein 40-Jähriger. Seiner Musik tut diese Eigenschaft gut.

Der 21-jährige Alex Crossan aus Guernsey wirbelt mit seinem Debütalbum „Mura Masa“, das genauso heißt, wie er sich selbst als Künstler nennt, gerade die Popwelt durcheinander.

Alex Crossan, der sich und sein erstes Album „Mura Masa“ nach einem mythenumrankten japanischen Schwertschmied taufte, spielte früh in Punkbands, organisierte Partys am Strand seines Heimatortes auf der Kanalinsel Guernsey, hatte Spaß. „Guernsey ist ein wunderbarer Ort zum Großwerden. Aber spätestens mit 18 kennst du alles, hast alle Möglichkeiten ausgeschöpft und musst weg. Du kannst ja nicht dein Leben lang am Strand liegen, knutschen und dich betrinken.“ Och, die einen sagen so, die anderen so. Alex grinst breit.
„Ich komme immer noch sehr, sehr gerne nach Hause zurück, etwa alle ein bis zwei Monate brauche ich die Insel, das Meer und meine Familie“.

Allerdings dürfte Alex Crossan in nächster Zeit eine Menge um die Ohren haben. Der Junge gilt gerade als heiße Wette auf die Zukunft des Pop, sein Album wird euphorisch rezensiert. Nicht übel für einen, der sich das alles selbst beigebracht hat.

Nach seinen frühen Rockband-Erfahrungen gab sich Alex nämlich im Kinderzimmer dem Erforschen von Electro, Funk, Hip-Hop und R’n’B hin. „Ich habe einfach ausprobiert und natürlich extrem viel Musik von anderen Künstlern gehört, um mich zu orientieren.“ Immer öfter baut Alex eigene Stücke zusammen und stellt sie unter wachsendem Interesse des Publikums auf Onlineplattformen wie Soundcloud.

Nach seinem Schulabschluss geht er erst nach Brighton, „das ist ein guter Kompromiss. Eine liberale, kulturbegeisterte Großstadt am Meer“, doch ein Jahr später ist er schon bereit für London, er lebt jetzt in Peckham, im Süden der Stadt.
Alex Crossan beginnt ein Studium, ist aber dank seines Plattenvertrags, „finanziell schnell so stabil“, dass „ich mich ganz meinem Traum widmen konnte, ein kulturell aktuelles, urbanes, cooles Album über einen Jugendlichen im London des Jahres 2017 zu machen.“

„Was Beziehungen angeht, ist vieles sehr verwirrend“

„Mura Masa“ ist fast schon ein Konzeptalbum, es handelt vom alltäglichen Chaos im Leben der Um-die-20-Jährigen. „Was Beziehungen angeht, ist vieles sehr verwirrend“, sagt Alex. „Ich bin ziemlich romantisch und beschäftige mich total gern mit der Liebe.“ Die Songs heißen „Messy Love“ oder „Lovesick“, sind für den Club genauso gut geeignet wie für unter der Bettdecke, und „meine Freundin findet es toll, dass ich in meiner Musik so ehrlich bin.“

Für sein Album hat er viele singende und rappende Topgäste eingeladen, darunter sind A$AP Rocky, Charli XCX, Jamie Lidell und Christine & The Queens. Am meisten stolz ist Alex auf „Blu“, eine melancholische, schöne Kollaboration mit Blur- und Gorillaz-Frontmann Damon Albarn. „Damon ist mein Held“, so Mura Masa. „Damon auf meinem Album zu haben, das ist unglaublich wichtig für mich. Er ist komplett offen im Kopf.“ So wie Alex. „Meine Musik verändert sich, ich verändere mich. Das erste Album ist eine Momentaufnahme der letzten zwei, drei Jahre. Keine Ahnung, was ich als Nächstes mache. Warum soll ich jetzt schon wissen, worauf ich in Zukunft Lust habe?“

 

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