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Clea in Neuseeland: Zwischen Arbeit und Vergnügen

Clea Kleffmann 22. Januar 2018 16:07

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    Glücklich mit Huhn und Schafen: Clea liebt die Arbeit auf dem Farm-Park.

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    Den Feierabend genießt Clea (M.) am liebsten mit ihren Kolleginnen Johanna und Verena im Café in Christchurch.

Teil 5 Der Wecker klingelt. Es ist acht Uhr. Ich gehe duschen und mache mich fertig. Heute ist ein richtig schöner Tag draußen. Perfekt, um auf unserer Terrasse zu frühstücken. Ich esse mal wieder das Gleiche wie jeden Morgen: Haferflocken mit Banane und Apfel und einen Honig-Toast mit einem Fenchel-Anis-Kümmel-Tee, den mir meine Eltern geschickt haben.

Dann ist auch schon neun Uhr und ich gehe gemütlich mit meinen Mitfreiwilligen Verena und Johanna runter zu unserem Projekt und wir unterhalten uns noch ein bisschen über alles Mögliche. Der erste Weg morgens führt wie immer in die Küche, um John, dem Küchenchef, ein „Good Morning“ zuzurufen und ihn zu fragen, ob er uns einen „John-Deluxe-Tee“ machen kann. Den Tee könnten wir uns eigentlich auch immer selber machen, weil es nur ein Schwarztee mit Milch und Honig ist, aber wenn John ihn macht, ist es immer etwas anderes. Anschließend gehen wir ins Office und fragen, was heute so ansteht. Da treffe ich dann auch schon auf Joseph und Priscilla, die sich um alle programmkoordinatorischen Dinge kümmern. Wir haben also heute wieder einen sehr stressigen Tag vor uns: Morgens Bogenschießen, vormittags Ponyreiten und am Nachmittag helfen wir alle noch auf dem Farmpark.

Ich mache mich also bereit, um meiner Schulklasse Bogenschießen beizubringen. Dazu benötige ich erst einmal einen Backpack, ein Walkie-Talkie und ein Erste-Hilfe-Set. Anschließend gehe ich auf die Suche nach meiner Gruppe, um mit ihr in den Wald zu laufen, wo unser Bogenschießplatz ist. Es ist schön, eine Gruppe alleine zu leiten, das darf ich jetzt, weil ich zum Glück vergangene Woche ausgezeichnet wurde, um Gruppen in Bogen- und Luftgewehrschießen leiten zu können. Ich mache mit Johanna zuallererst eine Zeit aus, wann wir die Gruppen tauschen, weil sie zur selben Zeit der anderen Hälfte Luftgewehrschießen erklärt. Also gut, um 9.45 Uhr ist Wechsel, das ist schon mal geklärt.
Nun erkläre ich also das, was ich die vergangenen Tage immer wieder gelernt habe und sehr oft von Leiterin Priscilla gehört habe: „Erklär die Sicherheitsregeln so ausführlich es geht, aber halte dich kurz, damit genug Zeit bleibt.“ Die Sicherheitsregeln und allgemein das Erklären läuft heute wirklich sehr gut. Und es ist auch immer wieder schön zu sehen, wie die Kinder Freude am Bogenschießen haben. Und mit jedem Durchgang werden sie besser.

Challenge für die Kinder mit Styropor-Taube

Zum Schluss mache ich dann eine Challenge, um die Kinder etwas herauszufordern. Erst sollen sie versuchen, einen grauen Styropor-Hirschen zu treffen. Das finden die meisten immer sehr einfach, weil er wirklich sehr groß ist. Doch dann wird es immer schwieriger, vor allem das letzte Ziel ist kniffelig: eine Styropor-Taube, die im Baum hängt. Ich habe selber noch nie hinbekommen, sie zu treffen, aber manche Kinder, die gerade einmal neun oder zehn Jahre alt sind, schaffen dies ohne Probleme.

Danach ist auch schon der Wechsel und ich erkläre alles wieder von vorne. Es ist schon ganz lustig, weil ich bei jeder Gruppe immer denselben Satz sage: „Ja, ich weiß, ich habe einen Akzent, aber ihr könnt mich auch ruhig ein zweites oder ein drittes Mal fragen.“ Zufrieden stelle ich aber mittlerweile fest, dass meine Sprache immer besser wird.

Um halb elf geht es dann mit der Gruppe hoch nach Don’s Shed, einer kleinen Hütte, wo auch die Kletterhalle ist. Dort trinken wir alle gemeinsam „Morning Tea“, den John hochgebracht hat. Beim „Morning Tea“ essen wir jetzt, wie immer, einen Kuchen dazu. Anschließend gehen Verena und ich runter zum Farm-Park, da heute auch noch eine Grundschulklasse kommt. Kollegin Nikki ist bereits mit ihrem Hund King dort und hat schon angefangen, die Pferde Anna, Conny und Shebby von ihrer Weide zu holen. Ich bin froh, dass es Conny immer noch gut geht, weil sie mit ihren 26 Jahren schon eine ziemlich alte Dame ist. Verena und ich machen die Pferde dann fertig und bringen sie zum Ponyreitplatz. Heute sind es zum Glück nicht so viele Kinder, gerade einmal 20, das bedeutet, dass wir nicht so oft die Runden laufen müssen. Ich stelle also sechs verschiedenen Kindern immer die selbe Frage: „Und hast du schon einmal auf einem Pferd gesessen und wenn ja, macht es dir Spaß?“
Die Zeit vergeht wieder wie im Flug. Schon kurze Zeit später satteln wir die Pferde wieder ab, legen ihnen etwas Heu auf ihre Weide, bringen die Esel zu den Pferden und machen alles sauber. Wenn mehrere Kinder da sind, dauert es oft länger, da sie dann noch in den Streichelzoo gehen und sich die Kühe angucken. Aber da diese Grundschulklasse nur für ein paar Stunden hier war und nicht, wie üblich, über Nacht, geht heute alles sehr schnell.

Verena und ich fahren dann mit Nikki nach oben in unser Projekt, um Mittag zu ssen. Zum Glück hatte die Gruppe gestern Abend Burger gemacht und noch sehr viel davon übrig. Ich liebe einfach die vegetarischen Bouletten von John! Das ganze Team sitzt schon draußen und haut ordentlich rein. Andy, der sich um alle Reparatur- und Draußen-Arbeiten kümmert, bespricht mit mir, was ich nach der Mittagspause tun kann: ihm beim Rasenmähen auf dem Farm-Park helfen.

Eine Überraschung in meinen Schuhen

Nach dem Essen gehe ich also zum Werkzeugschuppen und hole Rasenmäher, Schutzhelm und die viel zu großen Boots raus und fahre mit dem Pick-Up zum Farm-Park. Die letzte Arbeitsstunde mähe ich dann noch ein paar Wiesen, und als ich damit fertig bin, alles wieder einräume und mir meine Schuhe wieder anziehen möchte, merke ich was Seltsames: Andy hat mir Kartoffeln in meine Schuhe gesteckt. Dazu muss ich sagen, dass Verena, Johanna und ich Andy schon Kartoffel-Männchen gebastelt haben, die mittlerweile schon ein wenig grün geworden sind. Wir haben nämlich wirklich sehr oft Kartoffeln in unseren Schuhen. Dieser Witz scheint sich für Andy also nicht abzunutzen…

Mein Tag ist dann eigentlich auch schon so gut wie zu Ende, ich mache um 15 Uhr nur noch einen Stopp in der Küche und genehmige mir einen „Afternoon Tea“. Konkret heißt das: Ich trinke Tee und esse wieder ein Stück Kuchen. Anschließend gehe ich zu unserem Haus und ruhe mich auf der Couch etwas aus. Denn nachher steht mit Johanna und Verena noch ein Ausflug nach Christchurch an. Wir haben vor, in unser Lieblingscafé zu gehen und anschließend Glassons, einem tollen Klamottenladen, einen Besuch abzustatten. Erfahrungsgemäß kommen wir da immer mit vollen Tüten wieder raus. Was für ein schöner Tag!
Clea Kleffmann (18, Recklinghausen) lebt ein Jahr in Neuseeland auf der Südinsel. In der Stadt Governors Bay arbeitet sie im Rahmen eines „Internationalen Jugendfreiwilligendienstes“, kurz IJFD, in Living Springs. Das ist ein Abenteuercamp für Kinder und Jugendliche. Bei Scenario berichtet Clea von ihrem Abenteuer in Neuseeland.

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