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Das Zuckerlos-Experiment: Sieben ungesüßt lange Tage

Kristin Sachs 09. August 2017 16:55

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    „Euch Limonaden trinke ich nicht, ihr enthaltet Zucker“, entschied Autorin Kristin eine Woche lang.

Ich persönlich achte wirklich viel auf meine Ernährung und darauf, dass sie ausgewogen ist. Also habe ich gedacht: „Machst du mal einen Selbstversuch und verzichtest eine Woche auf Zucker, kann ja nicht so schwer sein.“ Von wegen.

Zucker lieben wir doch alle, oder? Wir verzehren ihn in jeder erdenklichen Weise gerne, wir lieben Süßes! Im vergangenen Jahr hat jeder Deutsche ca. 35 Kilo von der weißen Masse verbraucht – ich möchte jetzt aber mal wissen: „Geht’s auch ohne?“

Montagmorgen, der erste Tag meiner „Ich verzichte auf Zucker“-Challenge. Ich habe mir selbst eine kleine Liste gemacht, was ich auf jeden Fall nicht darf. Die ist anfangs noch recht kurz: Süßspeisen und Süßkram, Obst wegen der Fruktose, Fruchtsäfte und Softdrinks sind tabu. Also erst mal Kaffee auf den Tisch – und ungesüßte Mandelmilch rein. Oder auch nicht, denn wie ich auf der Verpackung lese, hat die einen minimalen Anteil an Zucker. Also muss ich meinen Kaffee wohl schwarz trinken, denn normale Milch kommt auch nicht infrage, sie enthält auch Zucker. Damit hätten sich auch meine Haferflocken mit Milch erledigt, also schneide ich mir eine Gurke auf. Ich weiß schon jetzt, was ich den Tag über trinken werde: jede Menge Mineralwasser und ungesüßten Tee.

Voller Vorfreude hole ich dann zur Mittagszeit meine Lebensmittel heraus. Reis, Gemüse, passierte Tomaten… Moment mal, auch da ist Zucker zugesetzt. Also muss ich wohl oder übel mühselig meine Tomaten selbst pürieren und würzen, während der Reis vor sich hinköchelt und das Gemüse vor sich hinbrutzelt. Fleisch esse ich nicht, also fällt das wohl auch weg, obwohl das durchaus zuckerfrei ist.
Zum Abendbrot gibt’s dann Tomaten und Gurke mit… na ja, ohne Feta, da ist auch Zucker drin. Verdammt, der ist in Salzlake eingelegt, warum ist da Zucker drin? Soviel zum ersten zuckerfreien Tag, der meinen Magen knurren lässt.

Frustriert zum Soja-Drink greifen

Der zweite fängt ähnlich frustrierend für mich an. Brot? Träum weiter, Kristin, da ist Zucker drin. In Knäckebrot genauso! Also gibt’s wieder schwarzen Kaffee und Gemüse ohne alles.
Frustriert google ich eine Liste zuckerfreier Lebensmittel. Denn wie ich morgens feststellen muss, sind meine Kartoffelgnocchi auch nicht ohne Zucker. Das Ergebnis ist ernüchternd. Es ist in fast allem Zucker enthalten, na gut, ein paar Käsesorten gibt’s, die ich essen könnte, und hey, es gibt einen Sojadrink ohne Zucker. Das sündhaft teure Getränk kaufe ich mir, um am nächsten Morgen festzustellen, dass der Kaffee damit nicht unbedingt schmeckt, aber zumindest kann ich damit meine Haferflocken essen. Reis enthält wohl auch Zucker, finde ich zum Mittagessen heraus, als Alternative winken mir Glasnudeln aus dem Schrank zu. Fischfreunde dürfen sich freuen, denn Fisch enthält überhaupt kein Zucker, also könnte man durchaus Fisch mit Gemüse essen.

Trotzdem zieht sich diese Woche immer mehr frustrierend in die Länge. Mein Essensplan ist eintöniger als eintönig und ich werde zunehmend schlecht gelaunt. Auf Zero-Produkte will ich verzichten, weil ich dann nur noch mehr Heißhunger kriege, so vermute ich zumindest. Immerhin finde ich eine coole Alternative, dem Wasser etwas Geschmack zu geben – mit Obststücken. Das stimmt mich glücklicher, aber auch nur etwas. Am Sonntagabend ziehe ich dann mein Resümee, während ich um Punkt null Uhr ein großes Glas O-Saft trinke.
Komplett auf Zucker verzichten? Möglich, aber lässt den Essensplan ganz schön schrumpfen. Und mir jeden Tag Fleisch oder Fisch mit Glasnudel zu kochen, würde mir irgendwann stinken. Es ist erschreckend, wie viele Produkte Zucker enthalten, aber letztlich ist das gar nicht so schlimm, oder?

Vielleicht sollte man sich den Zuckerkonsum nur bewusst machen und zumindest klassische Zuckerbomben wie Limonaden und Co. nicht täglich konsumieren. Ich werde morgen jedenfalls meine Gnocchi genießen – trotz des Zuckers, aber auf das Glas Cola dazu verzichte ich lieber.

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