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Hannah in Costa Rica: Angst vor dem Abschied

Hannah Köhn 30. Januar 2018 17:23

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    Hannah (zweite von links) hat mit ihren Arbeitskollegen Daniel, Victoria, Claudia zum Abschied einen Trip zu den „Cataratas de la Paz“, den Wasserfällen des Friedens, gemacht. Trotz Regen und Nebels eine einzigartige Erfahrung!

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    Auch die ungebetenen Gäste wird Hannah vermissen, wie zum Beispiel die frei herumlaufenden Nasenbären.

Teil 12 Mein Jahr in Costa Rica neigt sich dem Ende zu. Jetzt heißt es Abschied nehmen. So unwirklich, wie es sich vor einem Jahr angefühlt hat, nach Costa Rica zu fliegen, so unwirklich fühlt es sich jetzt, wieder nach Hause zu fliegen. Oder sollte ich besser sagen nach Deutschland? Wo ist mein zu Hause jetzt eigentlich?

Natürlich, in Marl wohnt meine Familie, doch in Costa Rica lebt meine andere Familie und in einigen Wochen werde ich Marl zum Studieren erneut verlassen müssen.
Mit gemischten Gefühlen packe ich meinen Koffer. Ich freue mich natürlich unheimlich darauf meine Familie und meine Freunde wiederzusehen, doch andererseits macht es mich traurig das Leben, das ich mir hier aufgebaut habe, wieder zu verlassen und alles einfach so stehen und liegen zu lassen.
Heute beim Abendessen verkündeten meine Gasteltern, dass sie nächsten Sommer nach Deutschland kommen werden, um mich zu besuchen. Meine vierjährige Gastschwester malte mir ein Abschiedsbild und mein siebenähriger Gastbruder sagte, er werde Liebeskummer bekommen, wenn ich weg bin.
Seit Weihnachten arbeite ich schon nicht mehr, sodass ich viel Zeit für meine Familie und auch zum Reisen hatte.

Weihnachten habe ich im Kreise meiner Familie gefeiert. Im Grunde feiert man es hier ziemlich ähnlich, wie in Deutschland. Seit Oktober ungefähr steht der Weihnachtsbaum im Wohnzimmer, der nach und nach sowie das ganze Haus, geschmückt wird.

Anstelle von Plätzchen werden hier Tamales gebacken. Tamales bestehen aus Maisteig und werden in Costa Rica mit Fleisch, Möhren, Paprika und Reis gefüllt, anschließend in Bananenblätter gewickelt und gekocht. Das Ganze ist wesentlich aufwendiger als es in meiner Beschreibung vielleicht klingen mag, trotzdem ist es ein großer Spaß, wenn sich die ganze Familie versammelt und Tamales macht.

Gefeiert wird am 24.12. abends, wie in Deutschland. Gesungen wird leider nicht, dafür ertönt den ganzen Tag Weihnachtsmusik aus gefühlt allen Radios und Fernsehern des ganzen Landes.
Silvester habe ich mit meinen besten Freunden am Strand verbracht. Der Strand war wunderschön, mitten im Dschungel und überall kletterten Äffchen in den Bäumen. In der Nacht gab es eine riesige Party auf der einzigen Straße des Dorfes. Um Mitternacht gab es ein riesiges Feuerwerk am Strand. Es war wunderschön, und da der Strand in einer Bucht liegt, konnte man am Horizont, hinter dem Wasser, die Raketen von weiter entfernten Stränden sehen. Meine Sorge galt jedoch den armen Äffchen, die sich sicherlich zu Tode erschreckt haben.

Auch von meinen Arbeitskollegen konnte ich mich noch verabschieden. Gestern sind Claudia, Daniel, Viktoria und ich zu den Wasserfällen „Cataratas de la Paz“ (Wasserfälle des Friedens) gefahren. In dem Park gibt es insgesamt fünf riesige, natürliche Wasserfälle, eine wunderschöne Natur und eine Art Zoo mit nationalen Tieren.

Ursprünglich wollten wir mit einem kleinen Propellerflugzeug auf die Halbinsel „Osa“ (Bär) von Costa Rica fliegen, doch allein dieses Jahr sind schon zwei Flugzeuge dieser Airline in Costa Rica abgestürzt, sodass uns das nicht ganz geheuer war und wir uns für die Wasserfälle in der Nähe entschieden haben. Leider war es etwas nebelig und regnerisch, doch es war auch wunderschön.

Mit Kochbuch und neuen Erfahrungen nach Hause

Am Ende gab es ein Mittagsbuffet mit nationalem Essen. Mittlerweile habe ich den Reis und die Bohnen, die zu jedem Essen serviert werden, echt lieb gewonnen. Es hat lange gedauert, bis ich mich daran gewöhnt habe, Spaghetti oder Kartoffelpüree mit Reis und roten Bohnen zu essen, doch mittlerweile fehlt mir etwas, wenn es nicht serviert wird. Natürlich habe ich mir schon ein Kochbuch gekauft, damit ich mir auch in Zukunft typisches costa-ricanisches Essen kochen kann.

Der Abschied von Claudia war der schwerste von allen. Während des Jahres hat sie sich in vielerlei Hinsicht verantwortlich für mich gefühlt, auch über die Arbeit hinaus. Natürlich gab es einen tränenreichen Abschied und für mich war das auch schon der eigentliche Abschied aus Costa Rica, obwohl noch einige wenige Tage bleiben.

Bevor es endgültig zurück nach Deutschland geht, fliege ich jedoch erst ein paar Tage nach New York. Dies hat sich zufällig ergeben. Eigentlich geht unser Flug über Newark nach Frankfurt. Doch da dieser gecancelt wurde, haben wir die Möglichkeit, einige Tage dort zu verbringen und einen anderen Flug von Newark nach Frankfurt zu nehmen.

Antonia bleibt noch bis März in Costa Rica, sie fliegt aber mit mir nach New York, sodass ich dort nicht alleine bin. Die Heimreise werde ich dann aber wohl doch alleine antreten müssen, wenigstens habe ich auf diese Weise genug Zeit zu schlafen.
Vermutlich ist es gut, ein paar Tage in New York Puffer vom Abschied zu haben, damit ich mich auf das Ankommen in Deutschland freuen kann.
Hannah Köhn (20, Marl) verbringt die nächsten zwölf Monate in Costa Rica. In der Hauptstadt San José arbeitet sie im Rahmen eines „Internationalen Jugendfreiwilligendienstes“, kurz IJFD, im Kinderkrankenhaus. Hier bei Scenario könnt Ihr regelmäßig lesen, wie es Hannah ergeht und was sie Spannendes erlebt.

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