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Janine muss pendeln: Endstation: Recklinghausen Hauptbahnhof

Janine Jähnichen 23. Januar 2018 09:41

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    „Willkommen in meinem zweiten Zuhause“, scheint Janine hier ausdrücken zu wollen. Die Studentin pendelt immer montags bis freitags von Recklinghausen zur Uni Düsseldorf.

Schönere Worte gibt es für einen Pendler aus unserem Kreis wahrscheinlich kaum: „Nächster Halt: Recklinghausen Hauptbahnhof.“ Man hat wieder einmal einen stressigen Tag in der Bahn überstanden und kann sich nun bald zu Hause wissen. Mittlerweile gibt es neben den Berufspendlern auch immer mehr Schüler, die längere Schulwege vor sich haben, so eine aktuelle Studie der Frankfurt University of Applied Sciences. Mein Weg zur Schule war zum Glück recht überschaubar, dafür ist der Weg zur Uni umso länger und zeitauftreibender.

Natürlich hätte ich auch die Möglichkeit gehabt, an einer der näheren Unis zu studieren, aber irgendwas hat mich nun mal nach Düsseldorf getrieben. Die Zuganbindungen sehen von Recklinghausen zum Glück sehr gut aus, da ich in einem Rutsch von Bahnhof zu Bahnhof durchfahren kann. Die reine Zugstrecke liegt dann bei circa 50 Minuten. Dass das durchaus schlimmer geht, weiß ich. Aber wenn ich zu den 50 Minuten Zugfahrt noch die Wartezeiten und die Weiterfahrten mit Bus und U-Bahn addiere, liege ich bei insgesamt zwei Stunden. Pro Strecke natürlich. Und dann sieht das Ganze schon nicht mehr so entspannt aus.

Wie die Studie ergeben hat, geht vielen Schülern der lange Schulweg an die Substanz und sorgt dafür, dass sie sich nicht richtig konzentrieren können. In den ersten Semestern ist mir das Pendeln auch noch sehr schwer gefallen, weil ich es einfach nicht gewohnt war, den halben Tag im Zug zu verbringen. Neben den alltäglichen Strapazen kann es dann zusätzlich gerne zu Verspätungen oder gar spontanen Zugausfällen kommen. Als täglicher Pendler muss man eben auf alles gefasst sein…
Auch meine anfängliche Euphorie, dass ich in der Bahn ganz viel für die Uni lernen kann, habe ich recht schnell verworfen.

Mit der Konzentration klappt es nie bei mir

Irgendwie klappt es bei mir nie so ganz mit der Konzentration. Ich muss mich beim Lernen ausbreiten und meine Ruhe haben können. Das ist in einem eng geschnittenen Regionalexpress leider nicht möglich. Deshalb überbrücke ich die Zeit mit Musik und Büchern. Auf der Hinfahrt kann ich morgens auch gerne noch getrost ein Ründchen schlafen, weil ich bis zur Endstation fahren muss. Auf der Rückfahrt in Richtung Hamm versuche ich gegen die Müdigkeit anzukämpfen, bevor ich meine Station verpasse.

Trotz meiner Möglichkeiten die Fahrten zu „verschönern“, schlägt der aufkommende Stress auch noch nach fünf Semestern des Öfteren durch. An Tagen, an denen ich schnell nach Hause möchte, erscheinen mir die Fahrten oft endlos, und wenn ich teilweise vier Stunden für ein 90-Minuten-Seminar unterwegs bin, kann ich wirklich sagen, dass die Fahrerei anstrengender als die Uni war. Gerade an Klausurtagen ist der Stress noch einmal höher, weil einem ständig die Angst im Nacken sitzt, dass sich der Zug ausgerechnet am Prüfungstag wegen einer Stellwerkstörung oder anderen Dingen verspätet.

Und natürlich darf ich mir nie vor Augen führen, wie viel Zeit mir durch die Zugfahrten tatsächlich verloren geht und was ich alles in dieser Zeit hätte machen können. Aber an der Situation lässt sich in einigen Fällen nun mal nichts ändern. Und so werde ich auch morgen wieder gemeinsam mit den Pendler-Massen in den Zug steigen und mich freuen, wenn meine Station aufgerufen wird.

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