Stimberg Zeitung Medienhaus Bauer

Lena auf Balkan-Tour: Glücklich-erschöpft in Albanien

Lena Gibbels 09. Juni 2017 15:45

  • Teaserbild

    Das Meer hat Lena richtig vermisst. In Durrës verbringt unsere Jugendredakteurin ein paar Stunden am Wasser und beobachtet die Strandpromenaden-Flanierer.

  • Teaserbild

    Durrës sieht zwar auf dem ersten Blick so aus, ist aber wirklich nicht in Spanien, sondern liegt in Albanien und eignet sich gut zum Relaxen.

Rumänien – Teil 18 Mein Abstecher nach Montenegro war entspannt. Nicht ganz so entspannt ging es weiter, an das Ziel, das mir von Anfang an die meisten Kopfschmerzen bereitete: Albanien.

Ich wusste ja von vornherein, dass Tirana, die Hauptstadt von Albanien, weder einen Zug- noch einen Busbahnhof hat und die Busse ihre Gäste einfach irgendwo in der Stadt rausschmeißen. Dass dieses „Irgendwo“ allerdings vier Kilometer vom Zentrum entfernt sein würde, hatte ich nicht erwartet, aber nein, ich bin zu geizig zum Taxifahren, selbst hier! Also irgendwie in einem kleinen Café ein paar albanische Lek mit den Gästen eintauschen und loslaufen.

Trotz Erschöpfung erkundete ich die Stadt nach meiner Ankunft noch etwas im Sonnenuntergang. Was für ein Kontrast zu Montenegro! Von allen Orten, die ich je besucht habe, erinnerte es mich am ehesten an: New York City. Der Verkehr ist aggressiv und laut, die Architektur riesig, die Stadt voller Beton mit urplötzlich auftauchenden Grünflächen, die Cafés voll mit den verschiedensten Leuten. Kurz: Es ist toll!

Am nächsten Morgen tauchte ich pünktlich zur Walking-Tour auf und lief fast dran vorbei, denn die Teilnehmer waren alle über 70: drei Omas aus Schweden und ein Mann aus Italien. Was erst mal seltsam begann, stellte sich dann irgendwie als total herzerwärmend heraus, die drei Seniorinnen bequatschten mich (mit problemlosem Englisch!) und wollten mir sogar ein Mittagessen ausgeben. Irgendwie auch nett. Stattdessen ging ich allerdings in den großen Park und lag sicher eine Stunde in der Sonne. Langsam setzte bei mir eine langfristige Erschöpfung ein: Millionen Eindrücke und Erlebnisse jeden Tag und kaum Zeit für ausreichend Schlaf, um sie zu verarbeiten. Hui!

Danach lief ich noch durch einen wunderschönen Wohnbezirk zurück und genoss die letzten Sonnenstrahlen. Oh, und tauschte etwas Geld für mein nächstes Ziel. Mein Portemonnaie war ein Zeuge dieser verrückten Aktion: Euros, rumänische Lei und Bani, ein paar übrig gebliebene Konvertible Mark aus Bosnien, zwei Forint-Scheine aus Ungarn, albanische Lek und nun auch genug mazedonische Denar. Dazwischen Organspendeausweis, Bankkarte, Ausweis, Glücksbringer, Krankenkassenkarte und etwa eine Million Erinnerungen in Form von Kassenbons, Eintrittskarten und Bus-Tickets.

Marin erzählt Geschichten über das Land

Abends traf ich in einem Café Marin, der aus Albanien kommt. Über die Geschichte des Landes wusste er nicht viel. Über das Leben in Tirana heute dafür umso mehr: Die Bars lassen teilweise keine Männer ohne weibliche Begleitung rein, haha. Er erklärte mir auch die ökonomische Situation: IT ist so ziemlich die einzige finanziell lohnenswerte Branche, ähnlich wie in Rumänien also. Er zeigte mir auch noch etwas von der Stadt bei Nacht und brachte mich zum See – oh, ist der schön, wenn die Skyline der Stadt darauf reflektiert!

Am Dienstag beschloss ich spontan, noch eine Nacht in Tirana zu bleiben, denn Albanien ist schön! Ich unternahm einen Tagestrip an die Ostküste nach Durrës. Hui, die Fahrt dahin – am Hostel hat man mir schon erzählt, dass ich zu einem Kreisverkehr gehen muss, wo die Fahrer dann schon „Durrës, Durrës“ rufen. Dass man dann aber einfach in deren Auto steigen soll, überraschte mich doch. Hätten mir nicht mehrere Einheimische und die Leute vom Hostel gesagt, dass das okay ist, wäre ich vielleicht in Tirana geblieben.
Letztendlich war es dann auch total okay. Und Durrës oder eher das Meer – ich wusste gar nicht, dass ich es so vermisst hatte. Die Stadt erinnert an einen typischen Touristenort in Spanien, die Strandpromenade voller teurer Restaurants, die Küste voller Hotels. Aber für einen Tagestrip kann man das alles ja ignorieren und am Sandstrand bleiben.

Später traf ich mich mit Dinho, einem lokalen Barkeeper, der mir einen Strand zeigte, den ich sonst nie gefunden hätte.
In so einer Touristenstadt ist das Leben ganz anders als im pulsierenden Tirana.
Nun habe ich einen neuen Reisewunsch: in Sarajevo beginnen und dann mit dem Wohnwagen durch Südbosnien, ganz Montenegro und Nordalbanien bis Tirana.

Um acht Uhr abends kauften wir uns lokale Erdbeeren, ein Traum, und ich fuhr im Sonnenuntergang in einem richtigen Bus – was ein Glück – zurück. Der setzte mich noch weiter weg vom Zentrum ab, toll… also rannte ich praktisch in die Innenstadt, bevor das letzte Reisebüro schloss und ich kein Ticket nach Skopje mehr hätte ergattern können. Klappte haarscharf! Zum Abschluss traf ich Marin noch einmal, und es wurde so spät, dass ich am nächsten Tag im Grunde ganz ohne Schlaf um sechs Uhr morgens in den Bus stieg.
Da war es keine schöne Überraschung, um zehn aus dem Schlaf und aus dem Bus geworfen zu werden, in… Kosovo? Ohje – niemand hatte mir gesagt, dass ich hier umsteigen muss. Nun ja, wie so oft hatte ich keine Wahl, als das irgendwie hinzukriegen, obwohl mir regelrecht übel vor Erschöpfung war.
Skopje erwartete mich dafür mit strahlendem Sonnenschein und einem richtigen Busbahnhof, hach. Wie es mir dort gefallen hat, lest Ihr bald!
Lena Gibbels (18, Datteln) ist für zehn Monate nach Rumänien gegangen. In der Stadt Cluj-Napoca in Transsilvanien absolviert sie ihren Europäischen Freiwilligendienst, kurz EFD, in der „Csemete Reformed Nursery School“. Hier bei Scenario lässt Lena Euch teilhaben, wie es ihr in Cluj-Napoca ergeht und was dort alles passiert.

Teilen