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Leonie in Neuseeland: Weggehen, um zu wachsen

Leonie Schulz 09. August 2018 16:02

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    Der kleine, pinkfarbene Fleck unten rechts, den Leonie so fixiert, ist Neuseeland. Dahin reist die 18-jährige Waltroperin bald, um als Au-pair zu arbeiten und um Land und Leute kennenzulernen.

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    Leonie winkt schon mal für ihren Abflug. Den Koffer für Neuseeland hat sie schon gepackt.

Teil 1 Für mich geht es demnächst in mein bislang größtes Abenteuer: Neuseeland. 18.364 km – das ist die Strecke, die ich bald zurücklegen werde. Neun Monate werde ich dort als Au-pair arbeiten, Land und Leute kennenlernen und hoffentlich eine Menge Tiere streicheln. Aber wie kam es eigentlich dazu? Wer bin ich überhaupt? Und warum genau Neuseeland, das Land, in dem es mehr Schafe als Menschen gibt?

Mein Name ist Leonie, ich bin 18 Jahre alt. Weiter als eine Busreise nach London war ich auch noch nie von meiner kleinen Heimatstadt Waltrop entfernt. Ich spiele seit Jahren Volleyball und mir macht es unglaublich viel Spaß, mit Kindern zu arbeiten. Deswegen bin ich nicht nur als Spielerin, sondern auch als Trainerin im Verein aktiv. Seit ich mich vegan ernähre, verbringe ich zudem leidenschaftlich gerne Zeit in der Küche und probiere und kreiere neue Rezepte. Um meinen Kopf freizukriegen, zeichne, fotografiere oder schreibe ich gerne. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, wieso ich hier bei Scenario gelandet bin. Außerdem liebe ich es, fremde Kulturen und Orte zu erkunden und bin immer auf der Suche nach etwas Neuem.

Wie erwähnt, wird es für mich das erste Mal sein, dass ich für einen längeren Zeitraum von meiner Familie getrennt bin. Nicht nur meine Familie, auch meine Freunde, mein Hobby und alles, was mir am Herzen liegt, lasse ich hier im Ruhrgebiet zurück. Das Ganze tausche ich gegen die Suche nach einer Antwort ein – eine Antwort auf eine Frage, die ich noch nicht mal selber kenne. Gereizt von der Ungewissheit, mit einer riesigen Portion Reiselust und dem Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit starte ich mit meiner Reise einen ganz neuen Lebensabschnitt.

Auf der Landkarte ist Neuseeland für die meisten wohl nur der kleine, unscheinbare Fleck unter Australien. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch schnell auf, dass dieses Land sehr viel zu bieten hat. Unendlich faszinierende Landschaften mit Bergen, umgeben von Nebelbänken, aktiven Vulkanen, traumhaften Stränden und plätschernden Wasserfällen, liegen verstreut über das ganze Land verteilt. Neben seiner überwältigenden Natur ist es auch die Kultur, die mein Interesse geweckt hat. Neuseelands Einwohner, die sich selber stolz Kiwis nennen, pflegen die Geschichte und die lebensbejahenden Sitten und Traditionen der Maoris, die die Ureinwohner des Landes sind. Neuseeländer sollen, so sagte man mir, sogar im Winter Flip-Flops tragen und so häufig wie keine andere Nation BBQs veranstalten. Ich bin gespannt, welche Stereotypen sich in meinem baldigen Umkreis davon bewahrheiten und freue mich riesig darauf, mir mein eigenes Bild über die Einheimischen machen zu können.

Besonders mit den Kleinsten von ihnen werde ich, während ich dort bin, viel Zeit verbringen. Um das alltägliche Leben der Kiwis hautnah mitzuerleben, habe ich mich dazu entschieden, als Au-pair zu arbeiten. Meine Aufgabe wird es also sein, mich um die Kinder einer Familie zu kümmern. Im Gegenzug werde ich bei der Familie wohnen, bekomme Essen zur Verfügung gestellt und eine angemessene Summe an Taschengeld, um mir so viele Ausflüge wie möglich finanzieren zu können. Eine Gastfamilie habe ich bereits gefunden. Bei einem Gespräch mit Familie Augustyn via Skype war schon nach den ersten Worten, die wir miteinander gewechselt hatten, klar, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen möchten. Man könnte auch sagen, dass es Liebe auf den ersten Blick war. Meine zukünftigen Gasteltern sind gebürtige Südafrikaner und vor vier Jahren in Neuseelands größte Stadt, Auckland, gezogen. Sie sind herzlich, lustig, offen und vertrauen mir das Wertvollste an, was sie besitzen: ihre Kinder.

Auf Amber und Emma freue ich mich schon sehr

Ich werde dort insgesamt für zwei kleine Mädchen verantwortlich sein. Amber ist drei Jahre alt und ein aufgewecktes und verspieltes junges Mädchen. Emma wird bei meiner Ankunft erst acht Monate alt sein. Ich freue mich jetzt schon wahnsinnig darauf, ihre ersten Schritte mitzuerleben. Die beiden in ihrer Entwicklung zu unterstützen und so ein wichtiger und einflussreicher Teil davon zu sein, ist auch für mich – trotz regelmäßiger Arbeit mit Kindern – neu.

Ich reise natürlich mit ein paar Erwartungen nach Neuseeland. So wünsche ich mir, ein Teil der Familie zu werden und dort eine zweite Heimat zu finden, einen Ort, an dem ich mich angekommen und verstanden fühle. Ich hoffe, dass ich allen Anforderungen gerecht werden kann, auch wenn manchmal mehr als ein Versuch dafür benötigt wird. Den Kindern möchte ich eine Bezugsperson sein. Jemand, der sie unterstützt und ihnen hilft, die Welt und ihre eigene individuelle Persönlichkeit zu entdecken.

Aber auch ich selber möchte an mir wachsen. Ich möchte neue Herausforderungen bewältigen, neue Seiten von mir kennenlernen und wie ein Schwamm all die fremden Eindrücke aufsaugen und dadurch meinen Horizont erweitern. Außerdem würde ich gerne neue Leute kennenlernen. Und vielleicht entwickeln sich auch Freundschaften, in denen man sich noch Jahre später Fotos aus Neuseeland anschaut und gemeinsam in Erinnerungen schwelgt.

Was genau auf mich zukommen wird, weiß ich nicht. Was ich allerdings weiß, ist, dass egal wie schwer es wird, egal wie viele Steine mir in den Weg gelegt werden und egal wie viele Zweifel und Sorgen aufkommen, ich das Beste daraus machen werde. Denn letztendlich haben wir alles selbst in der Hand. Auch wenn das Leben uns herausfordert und uns mit den schwierigsten Situationen konfrontiert, ist es noch immer unsere Entscheidung, wie wir damit umgehen. Ob zu Hause oder eben 18.364 km weit weg.
Leonie Schulz (18, Waltrop) fliegt für neun Monate nach Neuseeland. In Whenuapai, einem kleinen Ort in Auckland, der größten Stadt des Landes, wird sie sich als Au-pair um zwei kleine Mädchen kümmern. Außerdem möchte sie ihre Zeit dort nutzen, um das Land in seiner gesamten Vielfalt zu erkunden. Hier berichtet Leonie von ihren Erfahrungen.

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