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Sasha interviewt Dragi: Die Jugend meiner Oma

Sasha Budschun 17. Mai 2018 09:33

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    Auch von den Klamotten her passen Sasha (l.) und Dragi zusammen und bilden eine gute Enkelin-Oma-Einheit. Vielen Dank fürs schöne Interview Euch beiden!

Serie Glücklich ist, wer Oma und Opa hat. Wo Mama und Papa schon längst mit uns geschimpft hätten, drücken sie ein Auge zu. Sie hören uns zu und nehmen uns in den Arm und bei ihnen gibt’s oft Kaffee und Kuchen. Jederzeit können wir mit unseren Sorgen zu ihnen kommen: Sie wissen Rat, denn sie sind lebenserfahren. Jetzt sollen sie zu Wort kommen – hier bei Scenario. Unsere Jugendredakteure und Leser wollen wissen, wie „die Jugend ihrer Großeltern“ aussah. Heute befragt die 15-jährige Sasha Budschun aus Recklinghausen ihre 62-jährige Oma Dragi Tanasic.

Sasha: Was war Dein Lieblingsplatz und wie hat er sich im Laufe der Jahre verändert?
Dragi:
Da ich als Jugendliche immer gerne und viel gesungen habe, war damals die Bühne einer meiner Lieblingsplätze. Aber genauso gerne habe ich mich als kleines Mädchen bei meiner Oma im Garten aufgehalten. Sie hatte ein Obst- und Gemüsebeet und Tomaten, so groß wie Äpfel. Dort saß ich oft und habe Schmalzstullen mit Tomaten gegessen.

Sasha: Wie hast Du Dir das Erwachsenwerden vorgestellt?
Dragi:
Wirklich Gedanken habe ich mir über das Erwachsenwerden nicht gemacht. 17 Jahre lang hab‘ ich meine Heimatstadt im ehemaligen Jugoslawien nicht verlassen. Aber als ich nach meiner Hochzeit nach Deutschland gekommen bin, musste ich sehr schnell erwachsen und selbstständig werden. Gleichzeitig war ich sehr froh, aus einem armen Land raus zu sein.

Schönster Moment? Dass ich Oma werde!

Sasha: Was war der schönste und was war der schlimmste Moment in Deinem Leben?
Dragi:
Der schönste Moment war, als ich erfahren habe, dass Deine Mama mit Dir schwanger ist. Ich habe vor Glück geweint. Die schlimmsten Momente waren zwei: der eine, als Dein Opi starb. Der andere, als meine Mutter starb.

Sasha: Wer war Deine erste Liebe und wie ist es gelaufen?
Dragi:
Das war Dein Opi. Wir haben uns kennengelernt, als ich sechs Jahre alt war. Wir haben uns angefreundet und immer miteinander gespielt. Später hat sich dann ein Gefühl entwickelt, das ich so noch nicht kannte. Dann ging er zum Militär, kam jedoch, wenn er freihatte, immer vorbei, sodass wir uns wiedergesehen haben. Danach ging er beruflich ins Ausland, und als er wiederkam, hat er mir einen Heiratsantrag gemacht. Wir zogen nach Deutschland, haben zwei Töchter bekommen und waren 44 Jahre glücklich verheiratet.

Sasha: Was wundert Dich an meiner Generation? Hast Du Fragen an uns?
Dragi:
Wundern tut mich eigentlich nichts. Aber ich bewundere es, wie weit Ihr alle seid. Die jungen Leute in Deinem Alter sind schon sehr belesen und informiert. Wenn ich an meine Zeit zurückdenke …Wir hatten, wenn überhaupt, ein Radio, später vielleicht einen Fernseher – aber Ihr habt diese ganzen neuen Medien und wisst über so viel Bescheid. Und wenn ich so lange leben würde, dass Du in meinem Alter bist, dann würde ich Dich fragen, ob Du Dir das Leben so vorgestellt hast, wie es dann tatsächlich war.
Was wisst Ihr über die Jugendjahre Eurer Großeltern? Nicht so viel, oder? Das wollen wir mit Euch ändern! Schreibt uns an, wenn Ihr mit Eurer Oma oder Eurem Opa dabei sein wollt: scenario@medienhaus-bauer.de!

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