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Interview mit Felix Jaehn: Der Single mit den Hit-Singles

Steffen Rüth 22. Februar 2018 16:14

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    Mit dem Song „Cheerleader“ fiel Felix Jaehn das erste Mal so richtig auf. Mit „Ain’t nobody“ gelang ihm ein Welthit. Nun will er an diesen Erfolg mit seinem Debütalbum „I“ anknüpfen.

Felix Jaehn war noch ein Teenager, als er es mit „Cheerleader“ das erste Mal auf Platz Eins schaffte, und zwar in Deutschland, Großbritannien, USA und zig Ländern, und er war gerade 20, als ihm mit „Ain’t Nobody“ ein zweiter Welthit gelang. Mittlerweile ist er 23 Jahre alt und hat nun sein erstes Album „I“ herausgebracht. Wir trafen den smarten DJ.

Scenario: Du hast in den vergangenen drei Jahren eine Menge Singles veröffentlicht. Warum jetzt ein Album?
Felix Jaehn:
Weil ich den Leuten meine ganze Welt zeigen will. Es war ein Wunsch von mir, nicht immer nur einzelne Songs, sondern ein richtiges Werk rauszubringen. 76 Minuten lang können die Menschen jetzt am Stück meine Musik hören, 25 Songs lang, und sie können eintauchen in die Felix-Jaehn-Welt.

Scenario: Was gibt es dort sonst noch zu entdecken?
Felix:
Eine Menge (lacht). Auf dem Album habe ich nicht den Druck, immer Hits zu liefern, ich kann auch mal andere Klangfarben zeigen. Und überhaupt: So eine CD ist eine feine Sache, Streaming hin oder her. Im Booklet zeige ich viele Kinderfotos von mir, und es gibt online auch eine kleine Doku, in der meine Eltern und Großeltern zu Wort kommen.

Scenario: Was halten deine Eltern davon, dass ihr Sohn ein Weltstar ist?
Felix
: Die ganze Familie, auch meine beiden Brüder, finden das total schön und sind stolz. Meine Eltern sind zwar nicht musikalisch, haben aber immer daran geglaubt, dass das was werden kann mit mir und meiner Musik.

Scenario: Wann hast Du als DJ und Produzent eigentlich losgelegt?
Felix:
So mit 16 habe ich auf bei uns an der Ostsee auf Partys aufgelegt und mich immer mehr in diese DJ-Sache reingefuchst. Ich habe geübt, mir Equipment gekauft und mit 17 ziemlich früh Abi gemacht.

Scenario: Und dann?
Felix:
Ich wollte nicht direkt studieren, aber dann habe ich gemerkt, dass die Musik meine große Leidenschaft ist. Also habe ich mich in London eingeschrieben und ein Jahr lang „Intensive Music Production and Business Diploma“ studiert – und dabei einiges über Produktion, Soundengineering, Komposition und auch das Geschäftliche gelernt.

BWL-Studium nach zwei Monaten abgebrochen

Scenario: Anschließend hast Du an der Berliner Humboldt-Universität BWL studiert. Warum das?
Felix:
Tja, das war nur ein kurzes Vergnügen, nach zwei Monaten habe ich das Studium abgebrochen. Es war nicht das Richtige für mich, zu der Zeit habe ich sowieso nur Musik im Kopf gehabt und hörte bei den Vorlesungen nie richtig zu. Ich hatte dann einen dualen Studienplatz in Medienmanagement in Aussicht, aber dann kam schon der Erfolg mit „Cheerleader“, und ich habe das Studium erst aufgeschoben und dann abgesagt.

Scenario: Das ging schnell damals mit dem Erfolg, oder?
Felix:
Ja, total rasant. Das kam wirklich wie aus dem Nichts. Ich habe extrem schnell sehr viele Erfahrungen gesammelt, das muss man auch, wenn man ins kalte Wasser geworfen wird. Kann sein, dass ich schneller erwachsener und reifer geworden bin. Es erklärt dir ja vorher keiner, wie das in der Musikbranche alles funktioniert, du musst einfach loslegen und oft auch einfach funktionieren.

Scenario: Jetzt bist Du 23. Ist es angenehm, nicht mehr so saujung zu sein?
Felix:
Ach, jedes Alter hat seine Vor- und Nachteile. Wenn man älter wird, muss man aufpassen, dass man nicht seine jugendliche Naivität verliert und zu verkopft wird.

Scenario: Was machst Du heute anders als vor drei Jahren?
Felix:
Die Terminplanung. 2016 kam ich am 24. Dezember morgens nach Hause, bin am 26. nach Goa in Indien zu einem Festival geflogen, von dort direkt nach Österreich, und dann in die Schweiz, wo ich an Silvester drei Gigs hintereinander hatte – einen um 22 Uhr, einen um 1 und einen um 4. Das war auch alles cool, aber heute würde ich das nicht mehr ganz so krass machen. Neulich war ich zum Beispiel in Seoul und Shanghai und auf dem Rückweg habe ich dann noch für einen Auftritt in Dubai angehalten.

Scenario: Drei Gigs an einem Abend…
Felix
:…das war ein langer Tag (lacht).

Scenario: Was hast Du dieses Jahr Silvester gemacht?
Felix
: Ich hatte frei und war zuhause. Nachdem ich zwei, drei Jahre fast ununterbrochen auf Tour war, hatte ich entschieden, dass ich Zeit brauche, um mich zu sammeln und auf die Musik und die Kreativität zu konzentrieren. Ich bin ja 2017 in mein neues Haus gezogen und wollte endlich Zeit haben, es auch ein bisschen einzurichten. Jetzt habe ich zum Beispiel Tischsets gekauft, also Teller und Deckchen und solche Sachen.

Scenario: Dann kannst Du ja jetzt Leute zum Essen einladen.
Felix:
Das mache ich auch! Ich koche gerne, auch wenn ich nicht der Meisterkoch bin. Ich würfele die Zutaten immer gern frei Schnauze zusammen - aus den Sachen, die gerade da sind. Und dann schmeckt es meistens ganz gut.

Scenario: Was ist denn immer da?
Felix:
Obst und Gemüse, viele Gewürze und Saucen. Ich bin ein großer Trüffelfan. Wenn du Krabben in Trüffel-Öl brätst, gibt das einen ganz besonderen Geschmack.

Scenario: Du lebst an der Ostsee in einem winzigen Dorf. Wie klein ist der Ort genau?
Felix:
80 Leute. Es gibt keinen Supermarkt, kein gar nichts, bis zum Meer ist es nicht weit. Und natürlich kennt jeder jeden. In meiner Freizeit meide ich die Großstadt eher, Metropolen habe ich in meinem Job genug. Für mich ist die Ostsee ein großer und wichtiger Ruhepol. Und mein Zuhause ist ein Ort, an den ich immer wieder zurückkehre, um Energie zu tanken und zu reflektieren, was so passiert ist.

Scenario: Wirst Du bei Euch im Dorf in Ruhe gelassen?
Felix:
Ja. Klar werde ich beim Bäcker schon mal gefragt, was gerade los ist und was der neue Songs macht, aber die Menschen bei uns haben alle eine schöne Abgehangenheit. Wir sind ein cooles, unaufgeregtes Dorf.

Ein Studio im eigenen Haus

Scenario: Hast Du auch ein Studio in Deinem Haus?
Felix:
Habe ich. Arbeiten und wohnen ist bei mir nicht getrennt, das ist alles eins. Ich bin ein Stück weit ein Workaholic, aber das empfinde ich nicht als negativ. Beruf ist bei mir Hobby, Hobby ist Beruf. Ich habe mir zuhause ein richtiges Studio eingerichtet, außerdem einen Probenraum. Jetzt habe ich die Möglichkeit, zu jeder Tages- und Nachtzeit ins Studio zu schlappen und Musik zu machen. Ich stehe gerne mittags auf und arbeite bis tief in die Nacht.

Scenario: Hört sich fast so an, als wärst Du das ewige Herumreisen etwas leid?
Felix:
Es war schon sehr viel, und ich habe das Gefühl, ich bin jetzt endlich daheim angekommen. Gut, kürzlich war ich in Los Angeles, um das Video für meine neue Single „Cool“ zu drehen und jetzt bin ich eine Woche in Berlin, aber bis im April meine Tournee anfängt, habe ich nicht mehr dieses Hardcore-Pensum, sondern bereite mich auf die Shows vor.

Scenario: Ist Livespielen etwas ganz anderes als ein DJ-Set?
Felix:
Total. Ich spiele Marimba und Drums, und muss das natürlich üben. Wir haben Sängerinnen und Sänger dabei, Bass, Cello, Trompete und konzentrieren uns live komplett auf meine eigenen Songs.

Scenario: „Cool“ klingt langsamer als deine früheren Songs, und trotzdem wie ein Sommerhit.
Felix
: Ich habe einfach ein Faible für positive und energetische Musik, und das passt natürlich zum Sommer. Mit 95 Beats pro Minute ist „Cool“ tatsächlich das langsamste Lied, das ich bisher veröffentlicht habe, meist ist House so um die 100 bis 120bpm schnell. Und dass Gucci Mane mitmacht, darauf bin ich stolz. HipHop ist eine Weiterentwicklung, ein neuer Schritt für mich.

Gerade ist Hip-Hop das neue Ding

Scenario: Geht der Trend auch in Pop und Dance zum langsameren Song?
Felix:
Könnte man so sagen. Die Produktionen werden reduzierter, offener, weniger vollgepackt und dadurch luftiger. Ich finde es spannend zu beobachten, wie Trends sich verschieben. Gerade ist Hip-Hop das große Ding, vor drei Jahren war es Melodic House. Es passiert immer irgendwas Neues.

Scenario: Deine Songs sind auf der ganzen Welt erfolgreich, „Cheerleader“ war in über 50 Ländern hoch in den Charts. Es ist nicht selbstverständlich, den globalen Geschmack zu treffen, oder?
Felix:
Nein, das ist etwas ganz Besonderes. Ich kann allerdings nicht erklären oder analysieren, wie so etwas zustande kommt. Noch schwerer ist es, einen Welthit bewusst zu wiederholen.

Scenario: „Loving you is like a riddle“ lautet der Refrain von „Like A Riddle“, einem der Songs auf „I“. Ist die Liebe tatsächlich ein Rätsel?
Felix:
Ja, das würde ich unterschreiben. In dem Text geht es um eine Beziehung, die immer komplizierter und schwächer wird, bis zu dem Punkt, an dem der Sänger sagt „Ich verstehe dich nicht mehr“.

Scenario: Verstehst Du die Liebe denn einigermaßen?
Felix:
Nö, ich bin irgendwie schon ewig Single, also offensichtlich nicht (lacht).

Scenario: Bist Du Single aus Prinzip?
Felix:
Das nicht, es hat sich nur bis jetzt nichts ergeben. Aber ich bin deswegen nicht traurig. Alles zu seiner Zeit. Ich fühle mich im Moment ganz wohl mit mir und meiner Situation. Aber wenn du auf Tour bist, vor 30.000 Leuten spielst oder auflegst, und anschließend sitzt du alleine in deinem Hotelzimmer, also da wünscht man sich schon mal jemanden, mit dem man das alles teilen kann. Ich jammere aber jetzt trotzdem nicht rum (lacht).

Scenario: Was machst Du am liebsten, wenn Du frei hast?
Felix:
Ich grille gerne. Freunde einladen, vielleicht mal zum Strand runterlaufen oder Fußballspielen. Und jetzt im Sommer, wenn die WM läuft, auf die ich mich total freue, natürlich auch: Fußballgucken.

Scenario: Wer wird Weltmeister?
Felix:
Deutschland natürlich, wer denn sonst? (lacht)                                                  
Felix Jaehn kommt ins Palladium in Köln (8. April, 19.30 Uhr). Karten gibt es für 38,65 Euro im RZ- und SZ-Ticketcenter oder unter Tel. 0209 / 14 77 999.

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