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Interview mit Fritz Kalkbrenner: Wilde Melancholie

Kathi Lenger 31. Januar 2018 10:53

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    Trister Hintergrund, blühende Fantasie: Fritz Kalkbrenner liebt die Gegensätze und entführt auf seinem neuen Album „Drown“ in wunderschöne Klang-Welten.

Endlich ist es so weit: Fritz Kalkbrenner, bekannt durch „Back Home“ oder „Ways over Water“ hat sein neues Album „Drown“ veröffentlicht – und das ganz ohne seine Stimme. Wie es dazu kam, was sein Großvater mit seinem aktuellem Coverbild zu tun hat und wo wir ihn bald live erleben können, erzählt er uns im exklusiven Interview.

Scenario: Fritz, Du hast so eine Wahnsinnsstimme, die Dir zum Erfolg verholfen hat – wieso hast Du Dich auf Deinem neuem Album gegen sie entschieden? Was ist passiert?
Fritz Kalkbrenner:
Der Grund, warum ich mich auf dem neuen Album gänzlich gegen Gesang entschieden habe, ist eigentlich ganz einfach. Bisher hatte ich immer an das vorangegangene Album aufgebaut, dieses weiterentwickelt. Doch jetzt wollte ich aus dieser üblichen Tätigkeit einen Schritt raustreten und einen neuen musikalischen Ansatz suchen. Bereits in der frühen Album-Phase wurde mir klar, dass dieser Versuch konsequenterweise ohne Gesang stattfinden muss.

Scenario: Kam Dir zwischendurch der Gedanke, Gastsänger/innen zu engagieren? Oder hast Du Dich bewusst gegen Gesang entschieden, weil „Drown“ ja komplett instrumental daherkommt?
Fritz:
Nein, ich muss gestehen, ich habe noch nie daran gedacht, einen Gastsänger zu engagieren. Und auf dem neuen Album habe ich mich ja bewusst komplett gegen Gesang entschieden, da man nicht unbedingt auf jede Nummer einen Text schreiben muss, auch wenn dies grundsätzlich möglich wäre. Hier ist die Besinnung ganz auf der House- und Techno-Musik und deren Wurzeln, deshalb die bewusste Entscheidung, sich auch nur auf die Musik zu konzentrieren.

Scenario: Gäbe es denn einen Sänger oder eine Sängerin, dem oder der Du blind Dein neues Album anvertrauen würdest, um darauf zu singen?
Fritz:
Offen gesagt fällt mir jetzt aus dem Stegreif kein Sänger oder auch keine Sängerin ein, dem oder der ich das Album blind anvertrauen würde – aber das muss nichts heißen, diejenigen können ja noch kommen.

Scenario: Mit Deinem Bruder Paul Kalkbrenner hattest Du in der Vergangenheit schon einige Songs, wie zum Beispiel „Sky and Sand“ produziert. Wie ist Euer Verhältnis zueinander? Herrscht da auch ein bisschen DJ-Konkurrenzkampf zwischen Euch?
Fritz:
Das Verhältnis zu Paul ist natürlich sehr gut und familiär. So etwas wie Konkurrenz gibt es bei uns nicht, das hat sich schon lange in Wohlgefallen aufgelöst.

Inspiration als ein Sammelsurium

Scenario: Woher bekommst Du Inspiration für Deine Tracks?
Fritz:
Ich würde jetzt nicht sagen, dass es eine einzelne Erfahrung, Emotion oder Situation ist, sondern oft ist es ein Sammelsurium aus allen. Das kumuliert dann zu einem großen, schweren Gewicht, welches tief unten in der Magengegend sein Zuhause findet. Und wenn man dann im Studio sitzt, kommt es wieder zum Ausdruck und wird in Musik übersetzt.

Scenario: Auf dem Albumcover von „Drown“ ist eine stimmungsvolle Landschaftsmalerei zu sehen und nicht – wie beinahe üblich – Du selbst. Nimmst Du Deine Person bewusst zurück?
Fritz:
Ja, entgegen der vorangegangenen Alben, bei denen in der Darstellung des Covers oft mit großen Profilfotografien gearbeitet wurde, habe ich mich hier entschieden, dies ganz behutsam zurückzunehmen und den Eindruck und die Musik des Albums in den Vordergrund zu stellen. Auf dem Cover ist jetzt ein Gemälde meines Großvaters zu sehen . Das Gemälde ist von sehr wilder Gestaltung und auch von Melancholie geprägt – und für mich persönlich war das sehr passend für mein neues Album.

Scenario: Was ist erfüllender für Dich: An Tracks im Studio rumzubasteln oder vor Fans aufzulegen – und wenn Letzteres: Wann und wo dürfen wir „Drown“ mit Dir live feiern?
Fritz:
Ich glaube, das kann man schwer sagen. Das folgt irgendwie immer dem Anspruch, dass man immer das möchte, was man gerade nicht hat. Wenn ich im Studio bin, dann denke ich, dass ich nichts lieber machen möchte, als auf Tour zu gehen, und wenn sich die Tour dem Ende neigt, dann möchte man sich am liebsten nur noch im Studio verkriechen. Also, es ist immer ein wechselseitiges Geben und Nehmen und ich würde hier nichts den Vorzug geben. Beides sind tolle Aspekte ein und derselben Arbeit. Wann genau das neue Album live präsentiert werden kann, ist noch nicht finalisiert, aber es wird natürlich eine schöne Festival-Saison geben, bei der ich dann auch viele der neuen Nummern spielen werde.
 

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