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Interview mit Glasperlenspiel: Doppeltes Glück

Steffen Rüth 12. Oktober 2018 15:47

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    Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg sind seit der Schule ein Paar.

Anecken können andere. Carolin Niemczyk (28) und Daniel Grunenberg (29) aus Stockach am Bodensee geben auch auf ihrem vierten Album „Licht & Schatten“ das eher liebe und angepasste Pop-Pärchen, das sie auch in Wirklichkeit sind. Sängerin Carolin vermeidet in ihren Texten kernige Aussagen, stattdessen singt sie sich lieber durch ein Einerseits-Andererseits-Programm. Und die Musik – mag sie auch diesmal etwas cluborientierter ausgefallen sein – polarisiert allenfalls durch ihre Gefälligkeit. Wir haben mit den beiden über ihr Doppelalbum und privates Glück gesprochen.

Scenario: Was gibt es denn bei Euch beiden gerade mehr: Licht oder Schatten?
Daniel Grunenberg:
Auf jeden Fall mehr Licht. Wir können uns nicht beklagen, die letzten Jahre liefen für uns extrem gut. Seit „Geiles Leben“ haben wir 200 Shows gespielt, deshalb war es nötig, ein bisschen den Stecker zu ziehen und weniger live aufzutreten. Für die neue Platte haben wir Zeit gebraucht und uns die Zeit auch genommen, und jetzt sind wir einfach froh, dass sie endlich fertig ist.

Scenario: Euer aktuelles Album „Licht & Schatten“ ist ein Doppelalbum – auf der ersten CD sind die Lieder eher poppig produziert, auf der anderen eher cluborientiert. Was soll das?
Daniel:
Wir wollten die tanzbare und clubbige Facette von Glasperlenspiel stärker herausarbeiten. Die Club- und die Popversionen haben sich im Studio gegenseitig tangiert und befruchtet, und am Ende gehören Licht und Schatten einfach zusammen. Wir könnten nicht sagen, was Glück ist, wenn wir nicht auch wüssten, wie es ist, zu fallen. Das Credo unserer Songs war daher schon immer: Aus jeder beschissenen Situation kann man noch etwas Gutes herausziehen.

Man wird erwachsen, will es aber nicht sein

Scenario: „Willkommen zurück“ handelt vom Wiedersehen mit den alten Freunden. Das könnte auch der Song zum zehnjährigen Abitur-Jubiläum sein, oder?
Carolin Niemczyk:
Total. Ich habe 2010 mein Abi gemacht. Das fühlt sich für mich noch nicht an, als sei das lange her. Eigentlich fühle ich mich nicht groß anders als mit 19. Man wird erwachsen, aber man will es irgendwie noch gar nicht sein. Die ersten meiner Freunde heiraten jetzt, kriegen Kinder. Da denke ich mir nur „um Gottes Willen“.

Scenario: Ihr beiden seid jetzt gut zehn Jahre lang ein Paar. Das ist doch schon eine sehr erwachsene Sache.
Daniel:
Das hat nicht unbedingt was mit Erwachsensein zu tun, finde ich. Ich sage immer: Wenn es passt, dann passt es. Und bei Caro und mir passt es in jeder Hinsicht. Vor zehn Jahren hätte ich auch nicht gewagt vorherzusagen, wie gut das mit uns funktioniert.

Scenario: Seid Ihr das einzige Paar im Freundeskreis, das seit der Schule zusammen ist?
Daniel:
Natürlich gibt es auch die Freunde, bei denen die Beziehungen sehr schnell wechseln. Aber gerade waren wir bei einer Hochzeit von guten Freunden, die kennen sich sogar schon seit der neunten Klasse.

Scenario: Carolin, hast Du etwa den Brautstrauß gefangen?
Carolin:
Hey hey. Diese Sachen werde ich gerade schon dauernd von der Familie gefragt. Eine Hochzeit ist gerade kein Thema für uns.

Daniel: Es ist gut und schön so, wie es ist. Aktuell haben wir keinen Grund, daran etwas zu ändern.

Scenario: „Unsere Liebe ist safe – aber was ist mit dem Rest dieser Welt“, heißt es in „Liebe ist safe“. Was ist das Thema – Zweisamkeit, während die Welt zusammenbricht?
Carolin:
Ich empfinde tatsächlich so eine Art Weltschmerz und frage mich, wo die Liebe geblieben ist. Mir ist unbegreiflich, woher der ganze Hass kommt.

Scenario: Immerhin bist Du nicht untätig, sondern engagierst Dich bei Unicef für Mädchenrechte.
Carolin:
Ja, und dieser Einsatz ist mir wirklich sehr wichtig. Zum Glück ist Gleichberechtigung gerade ohnehin sehr in der Diskussion, wobei man schon sagen muss, dass wir hier manchmal oft über relative Lappalien diskutieren. „MeToo“ ist wichtig und gut, aber in vielen Ländern wäre das eine Luxusdebatte. Länder, in denen Mädchen nicht oder kaum in die Schule gehen dürfen, Zwangsehen, Beschneidungen bei Mädchen – das ist wirklich noch mal eine ganz andere Liga.
Glasperlenspiel könnt Ihr im nächsten Jahr auch live in unserer Nähe erleben:
Sonntag, 17. Februar, 20 Uhr
FZW (Ritterstraße 20, 44137 Dortmund)
Karten gibt es für 38,40 Euro im RZ- und SZ-Ticketcenter oder unter der Ticket-Hotline Tel. 0209 / 14 77 999.

 

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