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Interview mit Matthias Schweighöfer: "Ich will alles"

Olaf Neumann 06. Dezember 2018 12:54

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    Matthias Schweighöfer ist zurzeit im Kino mit „100 Dinge“ zu sehen. Am 18. Januar 2019 möchte er im Colosseum in Essen beweisen, dass er neben schauspielen auch singen kann.

Matthias Schweighöfer ist aktuell im Film „100 Dinge“ im Kino zu sehen, ab Januar 2019 geht er mit seinem Debütalbum „Weinen Lachen Tanzen“ auf Tour. Seine lebensbejahenden Popsongs drehen sich auch um Beziehungen und Liebeskummer. Wir sprachen mit dem 37-jährigen Frauenschwarm über seine neue Rolle als Popstar, die Kraft der Musik und über schlechte Eigenschaften.

Scenario: Wie fühlt es sich an, mit 37 Jahren ein Popstar zu sein?
Matthias Schweighöfer:
Ja, wie fühlt sich das an? Ich bin ja gar kein Popstar. Ich freue mich aber, dass auf meinen Konzerte viele Leute sind. Und das fühlt sich gut an! Es macht wirklich großen Spaß.

Scenario: Wer in so großen Hallen spielt wie Du, ist eigentlich ein Popstar. Oder wie siehst Du das?
Matthias:
Das ist richtig, aber ich bin grundsätzlich nicht gut mit solchen Begriffen. Wenn man möchte, kann man das natürlich so sehen. (lacht)

Scenario: Hast Du als Kind nicht davon geträumt, ein Popstar zu sein?
Matthias:
Ich fand natürlich Michael Jackson klasse, aber Popstar wollte ich nie sein. Ich wollte immer nur Leute unterhalten.

Scenario: Worauf legst Du bei Deiner Musik besonderen Wert?
Matthias:
Mir war bei dem Album wichtig, dass es ehrlich und echt klingt. Ich habe mich von Filmmusik inspirieren lassen, indem wir orchestrale Flächen genommen und diese mit Texten kombiniert haben, die mit mir persönlich etwas zu tun haben. Wir haben da echt viel reingegeben. Bei der neuen Platte, die wir gerade machen, gehen wir der Frage nach, wie extrem cool man in musikalischer Hinsicht noch sein kann. Ein Herbert Grönemeyer hat ja vier oder fünf Platten gebraucht, um richtig groß zu werden.

Scenario: War es von Anfang an klar, dass Du deutsche Texte machst?
Matthias:
Es war von Anfang an klar. Englisch hätte bei mir nicht funktioniert. Das hätte ich mir selber auch nicht abgenommen. Ich bin Deutscher und mache deutsche Filme. Auf einmal auf Englisch zu singen, wäre absurd.

"Es ist so schwierig, Songs zu schreiben"

Scenario: Lieder zu schreiben hat ja etwas Rauschhaftes. Wie süchtig bist Du nach diesem Gefühl?
Matthias:
Nein, bei mir nicht. Es ist so schwierig, Songs zu schreiben! Damit sie richtig gut werden, braucht es viel Zeit. Aber es macht trotzdem Spaß.

Scenario: In welche Richtung entwickelt sich Deine Musik?
Matthias:
Ich weiß es noch nicht wirklich, ich bin noch am Suchen.

Scenario: Hörst Du privat ähnliche Musik wie auf „Lachen Weinen Tanzen“?
Matthias:
Ich höre viel Hip-Hop und allen möglichen Kram. Coldplay fand ich immer schon ziemlich beeindruckend. Chris Martin live ist echt cool.

Scenario: Dein bester Freund ist der Silbermond-Schlagzeuger Andreas „Nowi“ Nowak. Hat er Dir dabei geholfen, zu Deinem Sound zu finden?
Matthias:
Nowi ist ein großer Fan von Rammstein, dadurch hat er mich geprägt. Er ist ein Trommler, der total hart draufschlägt. Sein Spiel hat etwas existenziell Sehnsüchtiges. Das finde ich total geil. Nowi hat ein paar echt coole Tracks auf meinem Album getrommelt.

Scenario: Du bist Schauspieler, Regisseur und Sänger. Kann man all diese Berufe mit gleicher Leidenschaft ausüben?
Matthias:
Ich bin grundsätzlich sehr empathisch und schiebe die Band gerne nach vorne. Es ist eigentlich wunderschön, dass wir vor 3 bis 4000 Leuten spielen dürfen. Ich gehe an alles, was ich mache, 150-prozentig ran.

Scenario: Im Titelsong Deines Albums findet sich die Textzeilen „Wir laufen viel zu schnell“ und „Wir halten alles fest, und der Moment kommt uns abhanden“. Klappt es eigentlich, erfolgreich zu sein und zu entschleunigen?
Matthias:
Es kommt auf die Zeit drauf an. Ich habe 15 Jahre durchgearbeitet mit wenig Pausen und Urlaub. Jetzt nehme ich mir aber länger Zeit für meine Kinder und mein Leben, um mal zu gucken, was da draußen so los ist. Und das wiederum ist cool. Nach 15 Jahren Vorarbeit kann ich mir auch eine längere Pause zur Entschleunigung erlauben.

Scenario: Dein Album ist sehr autobiografisch. Muss man alles, über das man singt, selbst durchlebt haben, um authentisch zu sein?
Matthias:
Als wir die Songs schrieben, haben wir überlegt, welches die nahbarsten Themen sind. Und auf dem nächsten Album wird es ganz viele lustige und ernste Themen geben, mit denen die Band und ich sich gerade beschäftigen. Die haben mit mir persönlich gar nicht mehr so viel zu tun. Ich habe als Regisseur mit einer Komödie angefangen, weil das Genre mir näher lag. Das konnte ich einfach besser. Hätte ich mit einem Drama angefangen, hätte mich das mehr Zeit und viel mehr Vorbereitung gekostet.

Scenario: Warum ist Dir Musik so wichtig?
Matthias:
Weil es einfach schön ist, Musik zu machen! Es hat ja auch viel mit Theater zu tun. Ich mag es, auf einer Bühne zu stehen und Menschen zu unterhalten. Auch wenn es vielleicht Boulevard ist, finde ich es trotzdem toll, weil ich es für das Publikum mache.

Scenario: Sind Schauspieler, Regisseur und Sänger für Dich im Prinzip ein und derselbe Beruf?
Matthias:
Das sind schon verschiedene Bereiche, aber es geht immer darum, Leute zu entertainen.

Scenario: Ist der Gesang das Wichtigste überhaupt?
Matthias:
Ich glaube, wenn man richtig gut singen kann, muss man trotzdem immer noch echt sein. So singen zu können wie Adele ist eine tolle Qualität, die ist einfach unfassbar gut! Da spielt es gar keine Rolle, dass sie eine korpulentere Frau ist.

Scenario: Hat die Musik Dir dabei geholfen, Dich selbst besser kennenzulernen?
Matthias:
Nein. Die Musik hat mir dabei geholfen, den Mut aufzubringen, vor 6 oder 8000 Leuten zu spielen. Diese Energie kann man auf viele Menschen übertragen, so dass sie mit einem mitfeiern. In meiner Band agieren sehr gute Musiker. Die spielen gerne mit mir, weil wir eine verschworene Gemeinschaft bilden.

Scenario: Sind Konzerte die Krönung Deiner Arbeit?
Matthias:
Der Oscar wäre die Krönung meiner Arbeit! Aber auf der Bühne zu stehen und zu performen ist etwas Echtes. Es ist nicht so anonym wie Filme drehen, wo man immer hinter der Kamera steht mit den Teams, die man seit Jahren kennt. Letztendlich sieht man gar nicht die Zuschauer im Kinosaal. Sie schreiben einem zwar auf Instagram oder Facebook oder sprechen einen auf der Straße an, aber man sieht nie, wie sie reagieren. Das ist bei einem Konzert anders. Wenn man dann mal eine Zeile richtig verkackt und in ein Lied etwas aus einem anderen Text reinmurkst, bekommt man darauf eine unmittelbare Reaktion. Und das ist das Schöne.

Vor jedem Auftritt einen Wodka

Scenario: Angeblich trinkst Du vor jedem Auftritt ein Glas Wodka. Hilft Alkohol gegen Lampenfieber?
Matthias:
Das ist ein Ritual. Wir trinken alle zusammen einen Wodka und dann geht es raus.

Scenario: Hängen Sex, Drugs und Rock’n’Roll irgendwie zusammen?
Matthias:
Mittlerweile ist das etwas von gestern. Wenn die Rolling Stones auf der Bühne stehen, trinken sie ja Wasser. Wir machen das ähnlich: wir trinken auch Wasser. Aber danach meist Wein!

Scenario: Und was machst Du mit den Groupies, die Backstage auf Dich warten?
Matthias:
Das mit den Groupies ist nicht mehr so. Daran merkt man, dass wir älter geworden sind.

Scenario: Hast Du Eigenschaften, die Du selbst nur schwer akzeptieren kannst?
Matthias:
Das Einzige, was mich an mir nervt, ist, dass ich in mein Leben wenig Ruhe reinkriege. Ich will immer alles jetzt und sofort. Das ist manchmal ein bisschen kacke, weil dann alle anderen fünffach schneller arbeiten müssen. Daran muss ich noch arbeiten.
Matthias Schweighöfer und Band: „Lachen Weinen Tanzen“-Tour
Freitag, 18. Januar, 20 Uhr
Colosseum Theater, Altendorfer Str. 1, Essen
Karten gibt es ab 41,40 Euro im RZ- und SZ-Ticketcenter oder unter der Ticket-Hotline 0209 / 14 77 999.

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