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Interview mit Wild Culture: Zum Glück zu zweit – in der Natur und im Club

Mona Niehus 21. Januar 2019 11:23

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    Das österreichische DJ-Duo Wild Culture liebt seine Heimat – und verwendet in seinen Tracks gerne Natursounds.

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    Felix (l.) und Florian machen Party – für sich und für die Fans vor den Turntables.

Einfach raufgehen und machen – das kann das österreichische DJ-Duo Wild Culture besonders gut. Mit ihren einzigartigen Sounds begeistern sie nicht nur die gesamte Alpenlandschaft, sondern auch den Rest der Welt. Warum die beiden Natursounds verwenden und warum Musik so eine Kraft hat, haben uns Felix und Florian erzählt.

Scenario: Euer Slogan lautet „Less is more“, was möchtet Ihr damit sagen?
Wild Culture:
Es passiert oft, dass Musik viel zu überladen ist. Wir probieren, nur die allerwichtigsten und essenziellen Sachen reinzupacken, sodass unsere Musik besser wirken kann. Und wir beide sind ja aus Österreich – das heißt, wir leben in den Bergen. Wenn wir rausgehen, haben wir oft ein Mikro dabei und nehmen Natursounds auf. Die verwenden wir dann auch in unseren Tracks. Im Grunde erkennt man nachher gar nicht, was für ein Element wir verwendet haben. Wir investieren viel Zeit, um eigene Sounds zu kreieren, die einfach anders klingen. Aber das gibt eben die besondere Wirkung.

Scenario: Es wissen wahrscheinlich die wenigsten Leute, dass Eure Sounds tatsächlich echte Natursounds sind…
Wild Culture: Nachdem wir damit angefangen haben, haben wir eigentlich jeden Titel so durchgezogen. Die meisten Drums und auch melodische Sounds sind Sachen, die wir irgendwo, an irgendwelchen Orten, gesampelt haben. Natürlich bei uns in den Alpen, aber auch auf Tour haben wir das Aufnahmegerät immer dabei und nehmen alles auf, was interessant sein könnte.

Scenario: Eure Touren haben Euch schon durch viele Länder geführt. Inwiefern haben Euch diese Eindrücke persönlich und musikalisch beeinflusst?
Wild Culture:
Persönlich lernt man sehr viel dazu. Und man lernt, wie schön es bei uns ist. Ich glaube, man nimmt von überall ein bisschen mit – bewusst oder unbewusst.
Ich meine, dass man sich durchs Touren und Reisen sehr weiterentwickeln kann. Das Schöne daran ist auch, dass jede Kultur ihre Facetten hat. Jede Kultur gibt dir irgendeine Idee für einen neuen Titel.

Scenario: In Eurer Heimat Österreich konntet Ihr anfangs schwerer durchstarten als in internationalen Ländern. Hat sich das durch den Heimatbezug in Eurer Musik geändert?
Wild Culture: Es ist so, dass Österreich ein sehr kleines Land ist und gerade im elektronischen Bereich nicht das erfolgreichste Land der Welt. Somit ist es schon eine Challenge, der wir uns stellen. Wir möchten mit den Top-Songwritern der Welt gemeinsam Musik machen, ihnen unseren österreichischen Flair näherbringen und es in die Welt hinaustragen. Viele dieser Künstler waren noch nie bei uns. Wenn du den Leuten Fotoshootings auf einem Berg in 2.500 Metern Höhe zeigst, dann denken sie sich: „What the fuck, wie geil is’n das?!“
Als wir mal in LA waren, waren wir unter anderem im Studio von Katy Perry und haben mit ihren Songwritern gearbeitet. Wenn wir dann Fotos unserer Heimat zeigten, fanden das alle sehr schön.

Scenario: Worum geht es in Eurem Song „Together all alone“?
Wild Culture:
Wir haben den Song mit zwei, inzwischen sehr guten Freunden in Berlin geschrieben. Bei beiden waren die Umstände nicht besonders gut. So hat sich der eine gerade an diesem Tag frisch von seinem Partner getrennt, was die Zusammenarbeit noch emotionaler machte. Wir probierten, es gemeinsam zu verarbeiten. Es geht in der Musik ja darum, dass man mit Emotionen umgehen kann. Am Abend unserer Session kam dann noch ein weiterer Schicksalsschlag dazu.
Einer der Großväter ist verschieden. Diese ganzen Emotionen haben wir natürlich dann auch in den Song mit einfließen lassen. So hat der Song einen extrem persönlichen Touch. Deswegen liegt er uns auch sehr am Herzen. Wir haben viel Energie hineingesteckt und sind extrem froh, dass er so guten Anklang findet. Viele Leute schreiben uns, dass er ihnen in ihren eigenen Situationen hilft, seien es Trennungsprobleme oder Probleme im Alltag. Wenn man Musik macht, ist es das Schönste, was es gibt, den Leuten etwas mitgeben zu können und zu merken, dass man ihnen hilft, mit der Situation umzugehen. Oder auch mal drei Minuten den Kopf auszuschalten und den Track auf sich wirken zu lassen.

Scenario: Was macht Ihr gegen Lampenfieber?
Wild Culture: Wir haben ein kleines Ritual: Kurz bevor wir starten, nehmen wir uns zu zweit einen Drink, dann gibt’s eine dicke Umarmung und dann geht’s auf die Bühne! Das Schöne ist, dass wir zu zweit und nie allein sind.

Scenario: Was können wir in Zukunft von Euch erwarten?
Wild Culture:
Im Februar kommt eine neue Single raus und 2019 wird es einige Festival-Shows geben. Wir haben viel in der Pipeline und freuen uns schon sehr, Euch allen das zu zeigen!

 

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