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Tote Mädchen lügen nicht 2: Gute Figuren, wenig Überraschendes

Nico Großmann 07. Juni 2018 11:26

  • Teaserbild

    Jessica Davis (Alisha Boe) sitzt in „Tote Mädchen lügen nicht 2“ auch im Gerichtssaal.

Die erste Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“ war für Netflix ein riesiger Erfolg, hat für kontroverse Diskussionen gesorgt und einen Raum für Themen geboten, die im Alltag oft tabuisiert werden, wie zum Beispiel Mobbing, sexuelle Übergriffe oder Selbstmordgedanken. Jetzt ist die zweite Staffel draußen, worum geht’s da?

Nun, eigentlich versuchen die Schüler und Lehrer – nach dem Tod von Hannah Baker – an der „Liberty High“ Ruhe einkehren zu lassen. Doch dieser Tat schließt sich jetzt ein Gerichtsprozess an. So wird der Alltag von Clay, Toni, Alex, Jessica, Bryce und den anderen von diesem bestimmt und immer wieder kehrt die Angst zurück, aussagen zu müssen und sich mit neuer Schuldverteilung und -zuweisung, Feinde zu machen. Als aber Polaroid-Aufnahmen auftauchen, wird die Wahrheitsfindung deutlich schwieriger und ein Netz aus Angst, Verdrängung, Schuld und Gewalt reißt den Abgrund wieder auf …

Basierte die erste, erfolgreiche Staffel noch auf einem Roman, merkt man der zweiten an, dass die Macher eine Fortsetzung produzieren mussten. Oft erkennt man viel zu früh, wie sich Handlungsstränge entwickeln werden und es fühlt sich deshalb ein wenig zu langsam erzählt an. Dieser zähe und an zu wenigen Stellen überraschende Beigeschmack zieht sich leider durch weite Teile der zweiten Staffel.

Verhalten der Einzelnen wirkt zu konstruiert

Ein weiteres Problem ist, dass neue Themen aufgegriffen und diese nicht immer komplett glaubhaft dargestellt werden. Vor allem das Verhalten der Einzelnen wirkt nicht mehr so authentisch wie in Staffel 1. Oftmals wirkt alles etwas zu konstruiert und daneben. Erzählerisch ist die zweite Staffel deshalb deutlich schlechter als die erste.

Trotzdem will (!) ich eine dritte Staffel sehen. Komplett zufriedenstellend war diese Fortsetzung nicht, trotzdem ist Potenzial da. Eine generelle Verschlechterung war zu erwarten, allerdings hat mich die Intensität dieser doch ein wenig überrascht.

Doch natürlich kann ich auch Positives sagen. Der riesige Cast ist durchgehend gut, auch wenn die Figuren nicht immer perfekt geschrieben sind.
Alles in allem aber ist die zweite Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“ deutlich schwächer als die erste.
Ich hoffe deshalb auch, dass sich die Produzenten bis zur dritten Staffel noch etwas Zeit lassen, damit solche Fehler nicht mehr passieren, denn die angesprochenen Themen finde ich eigentlich extrem spannend und interessant.
Falls Ihr die erste Staffel gemocht habt, rate ich Euch trotz meiner harten Kritik, auch die zweite zu schauen.

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