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Blinden- und Sehbehindertenverein: Den Alltag mit einer Sehbehinderung meistern

Katharina Weber 11. Oktober 2018 09:06

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    Dr. Cornelia Tollkamp-Schierjott läuft mit ihrem Blindenlangstock auf den Zebrastreifen am Neumarkt zu. Markierungen auf dem Boden erleichtern ihr den Weg.

Datteln Am Donnerstag, 11. Oktober ist Welttag des Sehens. Die Zahl an Sehbehinderten in Datteln steigt stetig an. Beratungen können Betroffenen helfen.

Etwa 75 Prozent aller Sehbehinderungen sind nach Angaben der WHO vermeidbar oder heilbar. Am heutigen Welttag des Sehens soll auf Augenerkrankungen und frühzeitige Vorsorge aufmerksam gemacht werden.
Glastüren und Treppenstufen ohne Markierungen werden zum Hindernis für Menschen mit einer Sehbehinderung. So auch beispielsweise die Glasfront in der St.-Amandus-Kirche oder die Treppenstufen am Rathaus.

„Es würde schon genügen, wenn die Glastüren mit ausreichend Kontrast wie in Rot oder Schwarz gekennzeichnet wären. Milchglas nützt da nichts“, erklärt Dr. Cornelia Tollkamp-Schierjott, Mitglied im Blinden- und Sehbehindertenverein Recklinghausen und ausgebildete „Blickpunkt Auge“-Beraterin.

Bei ihr wurde Anfang der 2000er Jahre eine altersbedingte Makuladegeneration – eine Schädigung der Netzhaut – festgestellt. Heute hat die Physikerin nur noch zwei Prozent Sehkraft. In Datteln – in ihrer gewohnten Umgebung – kommt sie trotzdem ganz gut zurecht: „Ich kann noch Umrisse erkennen und mich darüber orientieren“, sagt die 63-Jährige. Wenn es draußen hell sei, komme sie deshalb noch besser zurecht.


Nachfrage nach Beratungen steigt

In der Stadt habe es erste Regelungen und Veränderungen im Sinne von Menschen mit einer Sehbehinderung gegeben: Beim Bau neuer Straßen und Ampeln werde mittlerweile blinden- und sehbehindertengerecht gedacht. So haben die Ampeln an der B 235 ein Blindensignal und der Gehweg am Kreisverkehr in der Nähe des Neumarkts eine Noppenoberfläche als Orientierungshilfe bekommen. „Wir werden auch manchmal von der Stadt zurate gezogen“, sagt Tollkamp-Schierjott.

Dennoch laufe nicht alles so rund wie am Kreisel. An bestehenden Gebäuden wie am Rathaus werde beispielsweise nichts gemacht. Dabei sei es ein Leichtes, mit etwas Farbe Markierungen auf die Treppenstufen zu machen. Das würde die Stadt auch nicht viel kosten.

Seit 2011 bietet der Blinden- und Sehbehindertenverein einmal im Monat Beratungen in der Buchhandlung Bücherwurm an. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren stetig gestiegen – ebenso wie die Zahl an Menschen mit einer Sehbehinderung. Rund 300 Blinde und Menschen mit einer Sehbehinderung mit weniger als 30 Prozent Sehkraft seien in Datteln registriert.


Regelmäßige Kontrollen beim Arzt sind wichtig

Menschen ab 50 Jahren raten die Berater, regelmäßig zum Augenarzt zu gehen. „Das Auge ist ein Körperteil, ein Organ, wie Knie und Hüfte auch, was altersbedingt eben schwächer wird“, erklärt die Beraterin. Aber auch den Hausarzt solle man nicht „aus den Augen verlieren“, weil eine Verschlechterung der Sehkraft auch die Folge einer Erkrankung sein könne. Anschließend könne man Beratungsstellen aufsuchen, wo Rehabilitationskurse zur Mobilität angeboten oder vermittelt werden könnten, denn „auch Laufen mit dem Blindenlangstock will gelernt sein“, sagt Tollkamp-Schierjott.

Außerdem könnten sich Betroffene, Angehörige, Freunde und Nachbarn Tipps und Rat holen. Es gebe eine Menge nützlicher Ratschläge und Hilfsmittel zur Erleichterung des Alltags, wie einen „Einkaufsfuchs“ – einen Barcode-Scanner, der einem beim Einkauf Produktnamen, Inhaltsstoffe und Preis vorliest, Farberkennungsgeräte, Münzsortierer, Sockenhalter, Lesegeräte, Lupen und so weiter. Eine juristische oder medizinische Beratung werde nicht gegeben. Aber man könne beispielsweise Hilfe beim Ausfüllen und Stellen von Anträgen bei Krankenkassen bekommen. Das Wichtigste bei allem sei, sich nicht zu verschließen und so gut es geht selbstständig zu bleiben.

Menschen mit einer Sehbehinderung lädt der Blinden- und Sehbehindertenverein jeden dritten Dienstag im Monat zum Blickpunkt-Treff – einem gemütlichen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen – ins Etienne-Bach-Haus ein. Beratungen werden jeden ersten Montag im Monat von 15 bis 18 Uhr in der Buchhandlung Bücherwurm angeboten.

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