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Woher kommt der Aberglaube?: Vorsicht - es ist Freitag, der 13.

Ellen Kranz 13. Oktober 2017 06:00

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    Es gibt einige Mythen, die im Volksglauben weit verbreitet sind. Für einige Menschen ist heute ein besonderer Tag – es ist Freitag, der 13.

MARL Freitag, der 13: Es gibt weit verbreitete Mythen, die den Menschen Angst machen, weil sie angeblich Unglück bringen. Wir gehen diesen Legenden auf die Spur.

Freitag, der 13: Eine schwarze Katze, die von links nach rechts läuft. Ein zerbrochener Spiegel. Unter einer Leiter laufen. Unsere Zeitung hat mit einem Schmerztherapeuten, einem evangelischen Pfarrer und dem katholischen Dechanten aus Marl über das Thema Aberglauben gesprochen.

„Die Menschen erhoffen sich Antworten auf Fragen, die sonst nicht zu beantworten sind“, meint Schmerztherapeut Ulf Schutter. „Der Mensch braucht Antworten.“ Dabei gebe es oft eine Verquickung von Glaube und Aberglaube. „Das ist fast wie ein Ventil“, sagt Schutter. Zudem gebe es Zwangsstörungen, die solch einen Aberglauben fördern. Auch krankheitsbedingte optische und akustische Halluzinationen würden dieses Denken unterstützen.

Und auch die Frömmigkeit wirke begünstigend: „In einer Gegend, in der der Katholizismus vorherrschend ist, sind die Menschen eher abergläubisch.“ Denn: „Wer an übernatürliche Dinge glaubt, ist empfänglicher.“ Bereits vor Hunderten vor Jahren seien die Tempelritter auf den Befehl des damaligen Königs an einem Freitag, den 13., verhaftet und ermordet worden, so Schutter.

Dabei sei der Aberglaube einfach zu erklären, sagt der Schmerztherapeut: „Sie fahren mit dem Auto, und eine schwarze Katze läuft ihnen über den Weg“, erklärt Schutter. „Sie erinnern sich an den Aberglauben, werden nervös und fahren an einen Baum – schon hat sich der Aberglaube bewahrheitet.“ Er beeinflusse das eigene Handeln. „Man spricht von selbsterfüllender Prophezeiung.“ Gleiches gelte auch für Freitag, den 13. „Wir nehmen diesen Tag bewusster wahr und sind viel sensibilisierter“, weiß Schutter. „Was wir erwarten, trifft auch zu.“

Pfarrer Ulrich Walter, stellvertretender Vorsitzender des Presbyteriums der esm, vermutet die Ursprünge des Aberglaubens in einem Deutungsversuch für Ereignisse, die sonst nicht zu erklären seien. „Wahrscheinlich haben die Menschen nach Gründen gesucht, wenn beispielsweise ihre Ernte misslungen ist“, sagt er. Manches, wie nicht unter einer Leiter zu laufen, sei sogar sinnvoll, meint Walter. Dabei gebe es den Aberglauben schon lange. „Es sind Erklärungsversuche für Dinge, die Menschen nicht erklären können.“

Für Heiner Innig, Dechant des Dekanats Marl/Haltern, ist Aberglaube gegenstandslos. „Es ist kein relevantes Alltagsthema“ , sagt er. Aberglaube sei ein Relikt aus einer anderen Zeit. Wie die meisten Bräuche stamme auch der Aberglaube aus vorchristlichen Epochen. Solchen Riten seien und mit Ängsten vermischt worden. Auch das Anstoßen mit Gläsern, das ursprünglich Krach machen sollte, oder das Feuerwerk an Silvester zum Vertreiben der Geister seien Bräuche – aber kein Aberglaube, da sie nicht mit Angst verbunden würden.
Aberglaube existiere aus drei Gründen, vermutet Innig: als Ersatz für Religion, als kultureller Überrest oder – ähnlich wie Horoskope – zur Unterhaltung.
 

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